Einfach so und draußen …, an einem Samstag mitten im November

Gewohnheiten, Rituale, Regelmäßigkeit, die stetige Wiederholung von Abläufen, all das hat zweifellos sein Gutes, es mindert die Unlust-Schwelle, lässt uns auch dann ins Dôjô gehen, wenn wir uns so gar nicht danach fühlen, schließlich war da der lange Arbeitstag, endlich zu Hause und jetzt wirklich nochmal los? Schon seit geraumer Zeit suggeriert uns das kleine Drückeberger-Teufelchen, dass uns heute abend der Weg ins Dôjô beim besten Willen nicht mehr zuzumuten ist. Jetzt hilft nur noch der Switch in den Standard-Modus, alles wie immer: Tasche packen, zur selben Zeit wie sonst, raus und los. Nichts kann uns dabei so sehr helfen wie das sture Festhalten an gewohnten Abläufen. Heute genauso wie tausende Male zu vor.

 

Dennoch, Gewohnheiten in Ehren, ist es genauso wichtig, von Zeit zu Zeit gezielt mit ihnen zu brechen. Der Aufwand dafür ist denkbar gering, es braucht nicht viel und geht zum Beispiel so: bleib heut nicht in der Stadt, fahr nicht ins Dôjô und nimm auch keinen Gi mit, sondern zieh deine ältesten Klamotten an, schnür ein paar feste Schuhe und mach dich auf in den Wald. Und schon ist alles anders: Anstelle des angenehm vertrauten Dôjô-Bodens ein schräger Hang, übersäht mit Laub und gebrochenem Astwerk, querliegende Stämme, dazu Stellen, an denen der Fuß knietief einsinkt, man weiß nie genau wo. Unsicheres Terrain, Un-Wegbarkeit statt vertrautem Raum und Matten-Komfort. Dazu die Witterung, zumal jetzt im Herbst, kalter Wind, einsetzender Regen, das Halblicht des späten Tages. Plötzlich die eigene Hilflosigkeit bei soviel Veränderung, nicht mal der schnieke Übungsdress mit dem so hart erkämpften Gürtelchen ist dabei, kein Fetzchen Schutzzone, nur noch wir, in unseren alten Klamotten. Ein paar Schritte weit nur im Wald und schon einer ganzen Menge Illusionen beraubt. Jetzt hilft sie uns wenig, die 'schöne' Kata auf dem netten Parkettboden, die lautlose Rolle auf softer Matte. Und der, der uns da angeht, macht kein höfliches Eingangsnickerchen, sondern kommt gleich zur Sache. Und schert sich einen Dreck darum, dass wir nur mit unbewaffneten Angreifern gut können. Greift statt dessen zum Stock, um damit auf uns einzudreschen. Und wenn ich dabei zu Boden gehe, weil ich über irgendwas gestolpert bin - was ja im Dôjô-Labor quasi nie passiert – wartet er nicht mal ab, bis ich wieder stehe. Im Gegenteil ...

 

 

Draußen-Üben, wer sich darauf einlässt, seine heimelige Komfort-Zone Dôjô für eine Weile verlässt, kann enorm viel dazu lernen. Der Wald kann dabei ein guter Lehrer sein, einer, der nicht redet, aber unmissverständlich aufzeigt. Der zurückwirft. Aufs Wesentliche. Und dabei so wohltun kann. Zwei, drei Stunden, mehr braucht es nicht, um unvergleichliche Erfahrungen zu machen. Und als ein anderer zurückzukommen. Es ist nur wie immer, man muss es tun.

Pinan-Seminar in Meschede: Bekanntes frisch aufgetischt

 

„Pinan Kata? Kenn' ich doch! Wozu da extra noch am Wochenende durch die Gegend fahren?“ So oder so ähnlich mag es manch einem bei Ankündigung des Seminars mit Shihan Kai Michael Görl am 8.Juni im Shûtokukai Honbu-Dôjô in Meschede durch den Kopf gegangen sein.

 

Falsch! Auch wenn der grobe Ablauf der fünf von Itosu gegründeten Formen inzwischen jedem, der zwei, drei Jahre zum Dôjô gehört, zwangsläufig bekannt sein muss. Bemerkenswert nur, wenn nicht. Andererseits, was ist das schon? Kaum mehr als der Beginn eines Anfangs.

 

Und, ja, sicher bemühen wir uns bei der Übung im eigenen Dôjô die Kata unserer Schule nach und nach als Ganzes, nicht nur als „nette Form“ zu erarbeiten. Aber, auch hier darf man sich nicht täuschen. Jeder lehrt auf seine Weise, mit seinen Stärken, sowie seinen persönlichen blinden Flecken. Umso wichtiger, sich mutmaßlich Bekanntem immer wieder auch von anderer Seite anzunähern. Mit etwas anderer Sichtweise, anderen Schwerpunktsetzungen. Denn schließlich kocht jeder ein wenig anders, auch wenn es sich um die gleiche Grundrezeptur handelt. Schön , wenn man die Chance hat, einmal die Küche zu wechseln.

 

Und so durften wir genießen, wie uns Shihan Görl am diesem Samstag gut Verdauliches in wohldosierten Happen anbot. Niemand wurde überfordert und sicher konnte jeder eine gute Portion für sich mitnehmen. So dass am Ende eines gelungenen Tages alle zufrieden wieder den Heimweg antraten. In den Taschen die saftig durchschwitzen Gi und so manches von zuhause mitgenommene Butterbrot. Denn auch für die Verpflegung vor Ort hatte Shihan Görl allerbestens gesorgt.

Shodan-Prüfung im Koryûkaikan

Wissen, wo der Türknauf ist ...

 

Zu unserer aller großen Freude können wir bekannt geben, dass die drei Prüflinge, die sich am Samstag, den 25.August 2012 in unserem Mindener Dôjô ihrer Shodan-Prüfung stellten, diese mit durchgängig erfreulichen Leistungen bestanden haben. Rainer Kleymann, Björn Nerge, beide von Mindener Koryûkai Dôjô, sowie Frederick Schauerte vom Shitô Ryû Shûtokukai Honbû-Dôjô Meschede konnten am Ende eines anstrengenden Tages als Lohn für die Mühe der vergangenen Jahre verdient ihre Shodan-Urkunden von Shihan Kai Michael Görl in Empfang nehmen.

 

Auch wenn es lange Zeit noch ungewiss war, konnten wir glücklicherweise diese Dan-Prüfung nun endlich in unseren neuen Räumen durchführen. Was für eine wohltuend andere Atmosphäre: Keine verschmutzte Schulturnhalle, keine Behelfslösungen, sondern eine fast schon familiäres Miteinander in privaten Räumen zu einem ganz besonderen Anlass.

 

Für das Koryûkai-Dôjô bedeutet dies, dass es nun gemeinsam mit Johannes Höfner, der seine Shodan Prüfung bereits im Juni ablegte, über einen Stamm von insgesamt drei weiteren Schwarzgurten verfügt, die sich künftig darum bemühen werden, nachfolgenden Schülern so gut wie möglich auf deren Weg mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

 

Ein frisch gebackener Schwarzgurt ist kein „Meister“ - nichts wäre unangemessener als eine solche Vorstellung - aber ein Shodan ist ein Mensch, der den soliden Grundstein dafür gelegt hat, künftig Schritt für Schritt in seiner Kunst weitergehen zu können, darin liegt die Besonderheit dieser Eingangsgraduierung. Ein Shodan hat gelernt, wie man gehen muss, um künftig weiter voran zu kommen, er hat die Grundlagen für das Studium des Karate geschaffen, um nun nach all den mühevollen Vorübungen, sich künftig wirklich intensiv mit der Kunst zu beschäftigen. Eine etwas flapsige Weise, das zu umschreiben, was einen Shodan ausmacht, lautet: 'Er hat die Tür gefunden und weiß, wo der Türknauf ist'. - So gesehen, gar nicht so schlecht, dass nun immerhin zwei weitere Schüler unseres neuen Dôjô schon wissen, wo bei uns der Türknauf zu finden ist ... 

 

An dieser Stelle sei noch einmal ganz herzlich Shihan Kai Michael Görl für den würdigen Rahmen und den zu jedem Zeitpunkt gelungenen Prüfungsablauf gedankt. Nicht zuletzt aber auch all den vielen Helfern im Hintergrund, die dazu beigetragen haben, dass dieser Tag ein guter Tag für uns alle werden konnte. Wir werden uns noch lange gerne erinnern!