10 Jahre KORYÛKAIKAN:                          Jubiläumslehrgang 13.Oktober 2018

 

Und dabei ist es doch wirklich fast wie gestern gewesen, dass wir uns zusammengesetzt haben, um aus unserer kleinen, enthusiastischen Gruppe einen Verein werden zu lassen. Geworden ist daraus dann eine Karate- und Kobudô-Schule mit vielen reichhaltigen Facetten. Für die einen eine Art Geheimtipp, für andere eine Spur zu „old school“, viele schätzen den Umgang miteinander, das Individuelle, fast Familiäre, ebenso wie die Inhalte, vielfältig, von einfach bis anspruchsvoll, es ist viel drin im Dôjô-Topf, viel mehr als draufsteht.

 

Und das sollte auch zum Ausdruck kommen, als wir am zu unserem Jubiläums-Seminar im Oktober einluden. Vielfalt auch hier, und das Bestreben, die Dinge zusammenzubringen, auf eigene ART. Auch das, was auf den ersten Blick gar keine Verbindung miteinander hat, bei genauerem Hinsehen, Veränderung des Blickwinkels, geht es auf einmal zusammen. Der Elefant ist nicht nur Rüssel, nur Bein, nur Ohr, er ist mehr als nur Schlauch, Säule oder Riesenblatt, auch wenn alles so schön einfacher sein könnte, wenn es so wäre.

 

Die Referenten unseres Jubiläums-Seminars, Johannes Schwirn (QiGong, TaiChi), Daniel Schmidt (Arnis, FMA) und Joe Killian (Okinawa Karate) ließen uns erleben, wie sehr die verschiedenen Aspekte östlicher Kampf- und Bewegungskunst dazu angetan sind, Bausteine eines Gesamtbildes zu sein. Eines Gesamtbildes aber, das nicht von der Stange kommen kann, das nicht überstülpt werden kann, sondern – und hier beginnt die eigentliche Mühe – von jedem indivíduell erarbeitet werden will. Dazu ist eigenes Denken unverzichtbar, ebenso immer wieder neues Prüfen, Auswählen,Verwerfen, Weiterdenken, Weitersuchen. Getragen von der Bereitschaft zu fragen, in Frage zu stellen, dem Mut der bekennt, keine Antwort zu haben auf manche Fragen, noch nicht.

Auch der Mut neu und wieder und wieder anzufangen, wenn die bisherigen Ansätze nicht mehr tragen, sich als überholt erweisen. Überhaupt: Anfänger sein und bleiben, als Grundhaltung. Aller Anfang soll leicht sein, das muss nicht stimmen. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein saturierter „Meister“ in die Einsteiger-Klasse einer neuen Disziplin, um erfahren, was alles noch fehlt. Nein, Anfangen ist nichts für Schwächlinge. Die bleiben lieber in ihren gewohnten Bahnen, drehen ihre Runden auf vertrauten Wegen, verbleiben in den Komfortzonen der Selbstbeschränkung, darauf aus, jeder Verunsicherung durch Neues sicher zu entgehen.

 

Ganz im Geiste unserer Schule haben unsere Seminar-Referenten, Johannes, Daniel und Joe uns davor bewahrt, uns neue Zugangswege gewiesen und Perspektiven aufgezeigt. Dafür sei ihnen an dieser Stelle nochmalig auf das Herzlichste gedankt. Unser Dank für diesen gelungenen Tag gilt ebenso all den Teilnehmern und Helfern im Hintergrund, die ihren Beitrag dazu geleistet haben, unseren Jubiläumstag zu einer weiteren Wegmarke in der Geschichte unseres Dôjo werden zu lassen.

Dôjô-Freizeit am Sorpe-See (24.- 26. August 2018)

Wie jedes Jahr in unserer bisherigen Dôjô-Geschichte geht’s am letzten August-Wochenende gemeinsam in eine Jugendherberge der näheren Umgebung zur Dôjô-Freizeit. In diesem Jahr war unsere Wahl auf die Jugendherberge Sorpe-See im Sauerland gefallen. Und auch wenn diesmal die Gruppe kleiner und das Wetter – vor allem am Samstag - deutlich „durchwachsener“ war als sonst – die Freunde und der Spaß war ungebrochen so wie jedes Mal.

 

Keine Frage, beim Blick auf's Wetter waren den meisten von uns angesichts des für den Samstag geplanten Standup-Paddlings auf dem See ernsthafte Bedenken gekommen, aber alles wurde viel besser als erwartet. Das unvermeidliche mehrfache Bad im See fiel erstaunlich lau und fast angenehm aus(26°C, also „Badewasser“), allein der am späteren Nachmittag zunehmend auffrischende Wind machte aus dem ein oder anderen von uns doch eher einen Kneel-down- oder Situp-Paddler, um überhaupt auf dem Board und auf Kurs bleiben zu können.

Nach überstandenem „See-Abenteuer“ folgte auch schon in fast traditionsmäßiger Manier der Tagesausklang bei Grillfeuer und handgemachter Musik, dank unseres Grillmeisters Yuriy gemeinsam mit unserem Dôjô-Barden Karl wie gewohnt ein Abend mit Genuss- und Wohlfühl-Garantie.

 

Als am Sonntag dann der Himmel sich wieder sommerlich zeigte, ließen wir das Wochenende mit ein wenig Kata-Erinnerunsgsarbeit am Sorpesee-Strand – diesmal anhand der Tenshô – entspannt ausklingen, um nach dem Mittagsessen entspannt und zufrieden den Heimweg anzutreten.

 

Fazit: nicht nur bei idealem Spätsommerwetter ist die Dôjô-Freizeit Ende August etwas, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Mal sehn, wo's das nächste Mal hingeht, bisher ist noch alles offen ... 

Einfach so und draußen …, an einem Samstag mitten im November

Gewohnheiten, Rituale, Regelmäßigkeit, die stetige Wiederholung von Abläufen, all das hat zweifellos sein Gutes, es mindert die Unlust-Schwelle, lässt uns auch dann ins Dôjô gehen, wenn wir uns so gar nicht danach fühlen, schließlich war da der lange Arbeitstag, endlich zu Hause und jetzt wirklich nochmal los? Schon seit geraumer Zeit suggeriert uns das kleine Drückeberger-Teufelchen, dass uns heute abend der Weg ins Dôjô beim besten Willen nicht mehr zuzumuten ist. Jetzt hilft nur noch der Switch in den Standard-Modus, alles wie immer: Tasche packen, zur selben Zeit wie sonst, raus und los. Nichts kann uns dabei so sehr helfen wie das sture Festhalten an gewohnten Abläufen. Heute genauso wie tausende Male zu vor.

 

Dennoch, Gewohnheiten in Ehren, ist es genauso wichtig, von Zeit zu Zeit gezielt mit ihnen zu brechen. Der Aufwand dafür ist denkbar gering, es braucht nicht viel und geht zum Beispiel so: bleib heut nicht in der Stadt, fahr nicht ins Dôjô und nimm auch keinen Gi mit, sondern zieh deine ältesten Klamotten an, schnür ein paar feste Schuhe und mach dich auf in den Wald. Und schon ist alles anders: Anstelle des angenehm vertrauten Dôjô-Bodens ein schräger Hang, übersäht mit Laub und gebrochenem Astwerk, querliegende Stämme, dazu Stellen, an denen der Fuß knietief einsinkt, man weiß nie genau wo. Unsicheres Terrain, Un-Wegbarkeit statt vertrautem Raum und Matten-Komfort. Dazu die Witterung, zumal jetzt im Herbst, kalter Wind, einsetzender Regen, das Halblicht des späten Tages. Plötzlich die eigene Hilflosigkeit bei soviel Veränderung, nicht mal der schnieke Übungsdress mit dem so hart erkämpften Gürtelchen ist dabei, kein Fetzchen Schutzzone, nur noch wir, in unseren alten Klamotten. Ein paar Schritte weit nur im Wald und schon einer ganzen Menge Illusionen beraubt. Jetzt hilft sie uns wenig, die 'schöne' Kata auf dem netten Parkettboden, die lautlose Rolle auf softer Matte. Und der, der uns da angeht, macht kein höfliches Eingangsnickerchen, sondern kommt gleich zur Sache. Und schert sich einen Dreck darum, dass wir nur mit unbewaffneten Angreifern gut können. Greift statt dessen zum Stock, um damit auf uns einzudreschen. Und wenn ich dabei zu Boden gehe, weil ich über irgendwas gestolpert bin - was ja im Dôjô-Labor quasi nie passiert – wartet er nicht mal ab, bis ich wieder stehe. Im Gegenteil ...

 

 

Draußen-Üben, wer sich darauf einlässt, seine heimelige Komfort-Zone Dôjô für eine Weile verlässt, kann enorm viel dazu lernen. Der Wald kann dabei ein guter Lehrer sein, einer, der nicht redet, aber unmissverständlich aufzeigt. Der zurückwirft. Aufs Wesentliche. Und dabei so wohltun kann. Zwei, drei Stunden, mehr braucht es nicht, um unvergleichliche Erfahrungen zu machen. Und als ein anderer zurückzukommen. Es ist nur wie immer, man muss es tun.

Pinan-Seminar in Meschede: Bekanntes frisch aufgetischt

 

„Pinan Kata? Kenn' ich doch! Wozu da extra noch am Wochenende durch die Gegend fahren?“ So oder so ähnlich mag es manch einem bei Ankündigung des Seminars mit Shihan Kai Michael Görl am 8.Juni im Shûtokukai Honbu-Dôjô in Meschede durch den Kopf gegangen sein.

 

Falsch! Auch wenn der grobe Ablauf der fünf von Itosu gegründeten Formen inzwischen jedem, der zwei, drei Jahre zum Dôjô gehört, zwangsläufig bekannt sein muss. Bemerkenswert nur, wenn nicht. Andererseits, was ist das schon? Kaum mehr als der Beginn eines Anfangs.

 

Und, ja, sicher bemühen wir uns bei der Übung im eigenen Dôjô die Kata unserer Schule nach und nach als Ganzes, nicht nur als „nette Form“ zu erarbeiten. Aber, auch hier darf man sich nicht täuschen. Jeder lehrt auf seine Weise, mit seinen Stärken, sowie seinen persönlichen blinden Flecken. Umso wichtiger, sich mutmaßlich Bekanntem immer wieder auch von anderer Seite anzunähern. Mit etwas anderer Sichtweise, anderen Schwerpunktsetzungen. Denn schließlich kocht jeder ein wenig anders, auch wenn es sich um die gleiche Grundrezeptur handelt. Schön , wenn man die Chance hat, einmal die Küche zu wechseln.

 

Und so durften wir genießen, wie uns Shihan Görl am diesem Samstag gut Verdauliches in wohldosierten Happen anbot. Niemand wurde überfordert und sicher konnte jeder eine gute Portion für sich mitnehmen. So dass am Ende eines gelungenen Tages alle zufrieden wieder den Heimweg antraten. In den Taschen die saftig durchschwitzen Gi und so manches von zuhause mitgenommene Butterbrot. Denn auch für die Verpflegung vor Ort hatte Shihan Görl allerbestens gesorgt.

Shodan-Prüfung im Koryûkaikan

Wissen, wo der Türknauf ist ...

 

Zu unserer aller großen Freude können wir bekannt geben, dass die drei Prüflinge, die sich am Samstag, den 25.August 2012 in unserem Mindener Dôjô ihrer Shodan-Prüfung stellten, diese mit durchgängig erfreulichen Leistungen bestanden haben. Rainer Kleymann, Björn Nerge, beide von Mindener Koryûkai Dôjô, sowie Frederick Schauerte vom Shitô Ryû Shûtokukai Honbû-Dôjô Meschede konnten am Ende eines anstrengenden Tages als Lohn für die Mühe der vergangenen Jahre verdient ihre Shodan-Urkunden von Shihan Kai Michael Görl in Empfang nehmen.

 

Auch wenn es lange Zeit noch ungewiss war, konnten wir glücklicherweise diese Dan-Prüfung nun endlich in unseren neuen Räumen durchführen. Was für eine wohltuend andere Atmosphäre: Keine verschmutzte Schulturnhalle, keine Behelfslösungen, sondern eine fast schon familiäres Miteinander in privaten Räumen zu einem ganz besonderen Anlass.

 

Für das Koryûkai-Dôjô bedeutet dies, dass es nun gemeinsam mit Johannes Höfner, der seine Shodan Prüfung bereits im Juni ablegte, über einen Stamm von insgesamt drei weiteren Schwarzgurten verfügt, die sich künftig darum bemühen werden, nachfolgenden Schülern so gut wie möglich auf deren Weg mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

 

Ein frisch gebackener Schwarzgurt ist kein „Meister“ - nichts wäre unangemessener als eine solche Vorstellung - aber ein Shodan ist ein Mensch, der den soliden Grundstein dafür gelegt hat, künftig Schritt für Schritt in seiner Kunst weitergehen zu können, darin liegt die Besonderheit dieser Eingangsgraduierung. Ein Shodan hat gelernt, wie man gehen muss, um künftig weiter voran zu kommen, er hat die Grundlagen für das Studium des Karate geschaffen, um nun nach all den mühevollen Vorübungen, sich künftig wirklich intensiv mit der Kunst zu beschäftigen. Eine etwas flapsige Weise, das zu umschreiben, was einen Shodan ausmacht, lautet: 'Er hat die Tür gefunden und weiß, wo der Türknauf ist'. - So gesehen, gar nicht so schlecht, dass nun immerhin zwei weitere Schüler unseres neuen Dôjô schon wissen, wo bei uns der Türknauf zu finden ist ... 

 

An dieser Stelle sei noch einmal ganz herzlich Shihan Kai Michael Görl für den würdigen Rahmen und den zu jedem Zeitpunkt gelungenen Prüfungsablauf gedankt. Nicht zuletzt aber auch all den vielen Helfern im Hintergrund, die dazu beigetragen haben, dass dieser Tag ein guter Tag für uns alle werden konnte. Wir werden uns noch lange gerne erinnern!